KI-Agenten im Marketing: Der nächste Schritt nach ChatGPT

KI-Agenten im Marketing: Der nächste Schritt nach ChatGPT

Veröffentlicht am 23. September 2026

Sissy Scheible

Sissy Scheible

KI

KI-Agenten - Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein KI-Agent plant, nutzt Tools und führt mehrstufige Aufgaben eigenständig aus. ChatGPT als reiner Chatbot reagiert dagegen nur auf einzelne Eingaben.

  • KI-Agenten entwickeln sich 2026 von ersten Pilotprojekten in Richtung produktiver Unternehmensanwendungen, gleichzeitig wird prognostiziert, dass über 40 Prozent der Projekte bis Ende 2027 wieder eingestellt werden.

  • Am zuverlässigsten funktionieren KI-Agenten bei eng abgegrenzten, messbaren Marketingaufgaben wie Content-Recherche, Lead-Scoring oder Reporting.

  • Seit dem 2. August 2026 gelten EU-weit Transparenzpflichten: Wer KI im Kundenkontakt einsetzt, muss das offenlegen.

  • Euren ersten eigenen KI-Agenten könnt ihr in wenigen Minuten mit ChatGPT, Gemini oder Claude aufsetzen, ganz ohne Programmierkenntnisse.

Ihr nutzt ChatGPT längst für Blogtexte, Social-Media-Posts oder erste Kampagnenideen und habt euch bestimmt schon gefragt, was als Nächstes kommt. 

Die Antwort heißt KI-Agenten: Systeme, die nicht mehr nur auf eure Prompts antworten, sondern eigenständig planen, Werkzeuge nutzen und mehrstufige Aufgaben durchziehen. Der Begriff ist inzwischen überall präsent, gleichzeitig warnen Analysten, dass ein erheblicher Teil der KI-Agenten-Projekte scheitert. 

In diesem Artikel zeigen wir euch, was KI-Agenten wirklich können, wo ihre Grenzen liegen und wie ihr als Marketingteam sinnvoll einsteigt. Am Ende bekommt ihr eine konkrete Anleitung, wie ihr euren ersten eigenen Agenten mit ChatGPT, Gemini oder Claude anlegt. 

Was ist ein KI-Agent? Die Abgrenzung zu ChatGPT & Co. 

Wenn ihr ChatGPT einen Prompt schickt, bekommt ihr eine Antwort, mehr nicht. Das Modell reagiert, wartet dann auf eure nächste Eingabe und trifft keine eigenen Entscheidungen darüber, was als Nächstes zu tun ist.

Ein KI-Agent geht deutlich weiter: 

  • Er bekommt ein Ziel,

  • greift eigenständig auf Werkzeuge und Datenquellen zu, 

  • plant mehrere Schritte hintereinander und 

  • passt seinen Weg an, wenn ein Zwischenschritt scheitert. 

Statt "Frage rein, Antwort raus" läuft im Hintergrund eine Schleife ab, in der das System beobachtet, überlegt, handelt und prüft, ob die Aufgabe erledigt ist.

Ein Beispiel macht den Unterschied greifbar: Bittet ihr ChatGPT um eine Kampagnenidee, bekommt ihr einen Text. Ein Kampagnen-Agent dagegen könnte eure aktuellen Performance-Daten auswerten, daraus einen Vorschlag ableiten, passende Zielgruppen zusammenstellen und den Entwurf direkt in eurem CRM anlegen, bevor ihr nur noch die Freigabe erteilt.

Wichtig für die Einordnung: Der Begriff "KI-Agent" wird 2026 inflationär verwendet. Dabei sind laut einer Auswertung von Gartner von tausenden Anbietern, die sich als "agentisch" bezeichnen, nur rund 130 tatsächlich echte Agenten. Der Rest betreibt sogenanntes "Agent Washing" und verkauft im Kern klassische Chatbots oder Automatisierungstools mit neuem Label. Bevor ihr in ein Tool investiert, lohnt sich deshalb immer die Frage: Trifft das System wirklich eigenständig Entscheidungen, oder folgt es nur einem festen Skript?

Der Unterschied zwischen Chatbots und KI-Agenten.

Warum jetzt? Die Zahlen hinter dem Trend 

Laut der Bitkom-Studie "Künstliche Intelligenz in Deutschland 2026" hat sich die aktive KI-Nutzung deutscher Unternehmen binnen zwölf Monaten von 17 auf 41 Prozent mehr als verdoppelt. Weitere 48 Prozent planen den Einsatz von KI. Besonders stark ist die Branche Werbung und Marktforschung mit einer Nutzungsquote von 84,3 Prozent.

Auch im Marketing zeigt sich der Trend deutlich: Laut HubSpots State of Marketing Report 2026 setzen 86,4 Prozent der Marketing-Teams KI inzwischen in mindestens einem Bereich ein, ein Sprung von 41 Prozent im Jahr 2024.

Der Salesforce State of Marketing Report kommt für Deutschland auf 79 Prozent KI-Nutzung in Marketingteams.

Gleichzeitig zeigt sich ein Muster, das man kennen sollte, bevor man selbst startet: Gartner rechnet damit, dass über 40 Prozent aller Agentic-AI-Projekte bis Ende 2027 wieder eingestellt werden – nicht, weil die Modelle zu schwach wären, sondern wegen

  • explodierender Kosten,

  • unklarem Geschäftsnutzen und

  • fehlender Risikokontrolle.

Eine gemeinsame Erhebung von Forrester und Anaconda geht sogar davon aus, dass 88 Prozent der Agenten-Pilotprojekte nie den Sprung in den produktiven Einsatz schaffen. Das ist kein Grund, das Thema zu meiden, aber ein guter Grund, klein und mit einem klar abgegrenzten Anwendungsfall zu starten.

Konkrete Anwendungsfälle im Marketing 

KI-Agenten sind kein Alles-oder-nichts-Thema. Die größten Erfolge zeigen sich dort, wo Aufgaben klar umrissen und ihre Ergebnisse messbar sind:

  • Content- und Blogplanung: Ein Agent recherchiert aktuelle Quellen zu einem Thema, erstellt einen ersten Entwurf, prüft ihn gegen eure Vorgaben (z. B. SEO-Struktur) und übergibt ihn zur Freigabe. Der komplette Workflow von Recherche bis zum Veröffentlichungsvorschlag läuft weitgehend eigenständig.

  • Social-Media-Management: Von der Themenrecherche über den Text- und Creative-Entwurf bis zur Vorschlagsplanung für LinkedIn, Instagram oder Facebook lassen sich einzelne Schritte an einen Agenten delegieren, der dabei eure Markenrichtlinien berücksichtigt.

  • Lead-Scoring und Personalisierung: Agenten werten Verhaltens- und Intent-Signale aus und passen die Ansprache oder Priorisierung automatisch an, z.B. welche Leads zuerst kontaktiert werden.

  • Kampagnensteuerung: Tools wie Salesforce Agentforce Campaigns wandeln datenbasierte Empfehlungen direkt in konkrete Aktionen um, zum Beispiel die Anpassung einer laufenden Zielgruppe oder das Anlegen einer neuen Kampagne basierend auf einem Briefing.

  • Reporting-Automatisierung: Statt manuell Zahlen aus verschiedenen Tools zusammenzutragen, erstellt ein Agent regelmäßige Auswertungen und liefert daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen.

  • Kundenkommunikation mit Freigabeschritt: Bei Erstkontakten oder Standardanfragen können Agenten Entwürfe für E-Mail-Sequenzen erstellen. Die finale Freigabe bleibt bei euch im Team.

Infographic on AI in marketing highlighting six cases: content planning, social media, lead scoring, campaign management, reporting, customer communication.

Den größten Erfolg mit KI-Agenten habt ihr dort, wo Aufgaben klar umrissen und ihre Ergebnisse messbar sind.

Tools und Plattformen im Überblick 

Bevor ihr euch nach Spezialtools umseht, lohnt sich der Blick auf das, was ihr wahrscheinlich schon im Einsatz habt. Plattformeigene KI wie HubSpot Agent Hub oder Salesforce Agentforce deckt einen Großteil der Standard-Anwendungsfälle bereits ab, oft ohne zusätzliche Lizenzkosten, weil sie direkt dort ansetzt, wo eure Daten ohnehin liegen. Erst danach lohnt sich der Blick auf spezialisierte Tools für einzelne Bereiche wie Content, Paid Media oder Workflow-Automatisierung.

Im Folgenden stellen wir euch die wichtigsten Plattformen im Detail vor.

HubSpot Agent Hub   

HubSpot hat seine KI-Agenten Anfang 2026 unter dem neuen Namen Agent Hub gebündelt, vorher liefen sie unter der Marke Breeze Agents. Agent Hub ist die zentrale Anlaufstelle für alle Agenten im CRM und liefert vier Kernbausteine: 

  • Der Customer Agent beantwortet Support-Anfragen rund um die Uhr auf Basis des tatsächlichen Kontakt- und Vertragsverlaufs, 

  • der Prospecting Agent erkennt Kaufsignale und nimmt automatisiert personalisiert Kontakt zu Leads auf, 

  • der Data Agent beantwortet Fragen zu Kontakten und Unternehmen direkt aus euren CRM-Daten, und 

  • über den Agent-Designer baut ihr ohne Code eigene, auf euren CRM-Daten basierende Agenten. 

Ergänzt wird das Ganze durch HubSpot AEO (Beta), das verfolgt, wie eure Marke in KI-Antworten von ChatGPT, Gemini und Perplexity dargestellt wird, und Empfehlungen für fehlende Inhalte gibt. 

Abgerechnet wird nutzungsbasiert über HubSpot-Guthaben, etwa 0,50 Euro pro gelöster Kundenanfrage oder 1 Euro pro vom Prospecting Agent erstelltem Lead-Kontakt. Ihr zahlt also für Ergebnisse statt für eine pauschale Lizenz. 

Agent Hub steht HubSpot-Kundschaft mit einem Professional- oder Enterprise-Paket zur Verfügung. Der Vorteil: Die Agenten greifen von Anfang an auf eure vorhandenen CRM-Daten zu, ein separates Wissens-Setup entfällt. Die Grenzen liegen bei komplexer Markenstimme und hochpersonalisierter Entscheidungslogik, für Standardaufgaben im KMU-Umfeld reicht die Tiefe aber meist aus. 

Salesforce Agentforce 

Salesforce hat mit Agentforce eine eigene Agenten-Schicht über die gesamte Plattform gelegt. Agentforce Campaigns wandelt datenbasierte Empfehlungen aus Einstein direkt in konkrete Aktionen um, z.B. die Anpassung einer laufenden Zielgruppe oder die Erstellung einer komplett neuen Kampagne auf Basis eines Briefings. 

Darüber hinaus 

  • qualifiziert Agentforce eingehende Leads, 

  • beantwortet Prospect-Anfragen und 

  • personalisiert Kampagnen-Messaging basierend auf Verhaltens- und Intent-Signalen.

Salesforce positioniert Agentforce klar auf Enterprise-Kundschaft mit komplexen, cloudübergreifenden Anwendungsfällen, für kleinere Teams kann das schnell mehr Funktionsumfang sein, als tatsächlich gebraucht wird. 

Adobe GenStudio und Firefly Services 

Wer stark visuell und kampagnengetrieben arbeitet, findet in Adobe GenStudio eine End-to-End-Lösung für die Content Supply Chain. Ein KI-Agent 

  • erstellt darin markenkonforme Marketing-Assets für verschiedene Kanäle wie Social Media und E-Mail, 

  • greift dabei auf genehmigte Vorlagen und eure Asset-Bibliothek zurück und

  • erzeugt automatisch Bild- und Videovarianten in verschiedenen Formaten und Sprachen. 

Die eigentliche Bild- und Videogenerierung läuft dabei im Hintergrund über Adobe Firefly Services, eine Sammlung von APIs und Automatisierungswerkzeugen, mit denen sich Adobes generative Modelle direkt in eure eigenen Workflows und Tools einbinden lassen, statt nur manuell in der Creative Cloud zu arbeiten. 

Über Content Credentials werden KI-generierte Inhalte zudem automatisch gekennzeichnet, was mit Blick auf die EU-AI-Act-Transparenzpflichten praktisch ist. 

Adobe eignet sich vor allem für Teams, die bereits mit Creative Cloud oder Experience Cloud arbeiten und viel Wert auf Markenkonsistenz über zahlreiche Kanäle hinweg legen. 

Jasper

Jasper hat sich von einem reinen Text-Tool zu einer vollständigen agentischen Marketing-Plattform entwickelt. Kern ist Jasper IQ, eine Art Marken-Gedächtnis, das eure Markenstimme, Styleguides, Zielgruppen-Personas und sogar "verbotene Wörter" speichert und automatisch auf jede Ausgabe anwendet. 

Darauf aufbauend übernehmen Jasper Agents mehrstufige Aufgaben von der Briefing- bis zur Veröffentlichungsphase, während Content Pipelines die Skalierung über mehrere Kanäle und Sprachen hinweg organisieren. 

Der Unterschied zu allgemeinen Modellen wie ChatGPT, Gemini oder Claude: Jasper kennt eure Marke von Haus aus, ohne dass ihr den Kontext jedes Mal neu mitgeben müsst. 

FlowHunt

FlowHunt ist auf durchgängige Content- und SEO-Workflows spezialisiert, von der Recherche über den Entwurf bis zur Veröffentlichung. Statt einzelner Textbausteine liefert das Tool den kompletten Prozess: 

  • Zielgruppenrecherche, 

  • Content-Generierung, 

  • Optimierung und 

  • abschließendes Reporting 

laufen als ein zusammenhängender Workflow. Besonders praktisch für Teams, die viele Blogartikel oder SEO-Inhalte in gleichbleibender Struktur produzieren. 

Lindy und Relevance AI 

Beide Tools setzen auf die operative Entlastung im Tagesgeschäft. 

  • Lindy fokussiert sich auf wiederkehrende Aufgaben, die zwar Zeit kosten, aber wenig strategisches Denken erfordern, z.B. das Sortieren von Anfragen oder das Vorbereiten von Terminen. 

  • Relevance AI positioniert seine Agenten dagegen als einzelne "KI-Arbeitskräfte", die jeweils einer klar abgegrenzten, wiederholbaren Marketingaufgabe zugewiesen werden, zum Beispiel der Datenanreicherung oder dem Erstversand von Anfragen. 

Albert.ai und Smartly.io 

Für die Optimierung von Paid Media haben sich Albert.ai und Smartly.io eine eigene Kategorie erarbeitet. Sie übernehmen die laufende Steuerung von Werbebudgets, testen Anzeigenvarianten automatisiert gegeneinander und passen Gebote und Zielgruppen in Echtzeit an, ohne dass ihr jede Anpassung manuell vornehmen müsst. Sinnvoll vor allem für Teams mit einem nennenswerten, kontinuierlich laufenden Ad-Budget. 

Für kleinere und mittlere Marketingteams 

Bei aller Tool-Vielfalt gilt für die meisten KMU dieselbe Faustregel: Erst die KI-Funktionen der vorhandenen Plattform vollständig ausreizen, bevor zusätzliche Tools und Verträge dazukommen. Wer bereits mit HubSpot oder Salesforce arbeitet, deckt einen Großteil der Standard-Anwendungsfälle oft schon mit Agent Hub oder Agentforce ab. Spezialtools lohnen sich dann, wenn ein einzelner Bereich, etwa Paid Media oder die Content-Produktion, so viel Volumen hat, dass sich eine eigene, tiefer integrierte Lösung auszahlt. 

Der nächste Wandel: Agentic Commerce und GEO 

Während ihr eure eigenen Agenten aufbaut, verändert sich gleichzeitig, wie eure Kundschaft einkauft. Immer häufiger recherchieren, vergleichen und filtern KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity oder Gemini Kaufoptionen vor, teils bereits inklusive Kaufabschluss

Laut einer aktuellen Analyse von EY haben bereits 48 Prozent der KI-Nutzenden Kaufentscheidungen getroffen, die ausschließlich auf KI-Informationen basierten, und 53 Prozent wären bereit, direkt im Chat zu kaufen.

Für euer Marketing bedeutet das: Die KI wird zum Gatekeeper zwischen euch und eurer Zielgruppe. Sie entscheidet, welche Produkte, Informationen und Marken überhaupt sichtbar werden und das auf Basis strukturierter, maschinenlesbarer Daten statt klassischer Webseiten-Optik. 

Genau hier setzt GEO (Generative Engine Optimization) an: Es ergänzt klassisches SEO um die Frage, ob eure Inhalte für KI-Systeme verständlich, korrekt strukturiert und mit klaren Fakten belegt sind.

Zur Einordnung gehört aber auch: Der vollautomatische Checkout direkt im Chat steckt noch in einer frühen Phase. OpenAI hat seine Instant-Checkout-Funktion in ChatGPT im März 2026 nach Problemen mit Bestandsdaten und der Anbindung von Händlern wieder zurückgezogen. Der eigentliche Kaufabschluss findet also weiterhin meist auf eurer eigenen Website statt, die Recherche und Vorauswahl aber zunehmend im KI-Dialog. Genau deshalb lohnt es sich schon jetzt, auf vollständige, aktuelle und strukturierte Produkt- und Leistungsdaten zu achten.

Infographic on "Agentic Commerce & GEO" showing AI's role in research, comparison, selection, and purchase processes with statistical insights.

Die KI wird zum Gatekeeper zwischen euch und eurer Zielgruppe.

Grenzen und Risiken: Warum so viele Projekte scheitern 

Die Erfolgsquote von Agenten-Projekten hängt stark davon ab, wofür sie eingesetzt werden. Gut funktionieren sie bei eng abgegrenzten, messbaren Aufgaben. Sie stoßen an ihre Grenzen, sobald Urteilsvermögen, Nuance oder echte Verantwortung gefragt sind. 

Ein bekanntes Beispiel: Klarna hatte 2,3 Millionen Kundenservice-Chats an KI übergeben, investierte danach aber wieder gezielt in menschlichen Support zurück.

Die häufigsten Ursachen für gescheiterte Projekte sind laut Gartner 

  • eskalierende Kosten, 

  • unklarer Geschäftsnutzen und 

  • unzureichende Risikokontrollen

und nicht die Leistungsfähigkeit der Modelle selbst. 

Hinzu kommt ein Datenproblem: Laut Salesforce stoßen 98 Prozent der Marketer in Deutschland bei der Personalisierung auf Hindernisse, vor allem wegen unzureichender Datenqualität und isolierter Systeme. Ein Agent kann nur so gut arbeiten wie die Daten, mit denen er gefüttert wird. Ein unaufgeräumtes CRM wird durch KI nicht klüger, sondern nur schneller falsch.

Rechtlicher Rahmen: EU AI Act und Datenschutz 

Seit dem 2. August 2026 gelten in der gesamten EU die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des AI Act, unabhängig davon, welche Risikoklasse ein System hat. Wer ein System betreibt, das mit Menschen interagiert, etwa einen Chatbot oder Kommunikations-Agenten, muss offenlegen, dass es sich um KI handelt. 

Für KI-generierte oder -manipulierte Bild-, Audio- und Videoinhalte gelten zusätzlich Kennzeichnungs- und maschinenlesbare Transparenzpflichten, wobei der genaue Umfang je nach Art des Inhalts variiert.

Bereits seit dem 2. Februar 2025 – also unabhängig von den neuen Transparenzpflichten – gilt außerdem die KI-Kompetenzpflicht nach Artikel 4: Alle Personen, die mit KI-Systemen arbeiten, müssen über ein ausreichendes Verständnis verfügen, was das System kann, wo seine Grenzen liegen und wie sich Ergebnisse prüfen lassen. Für den Mittelstand lässt sich das gut über eine strukturierte Einarbeitung beim Rollout abdecken. 

Für Hochrisiko-KI-Systeme sind im Rahmen des sogenannten Digital Omnibus weitere Fristverschiebungen auf Ende 2027 beziehungsweise 2028 beschlossen, die Transparenzpflichten bleiben davon aber unberührt und gelten bereits jetzt.

Ergänzend gilt: Sobald ein Agent mit personenbezogenen Daten arbeitet, greift zusätzlich die DSGVO. Prüft insbesondere, wo die genutzten KI-Systeme ihre Daten verarbeiten und ob ein Auftragsverarbeitungsvertrag vorliegt.

So baut ihr euren ersten eigenen KI-Agenten 

Der beste Weg, ein Gefühl für KI-Agenten zu bekommen, ist es, selbst einen zu bauen. Ihr müsst dafür nicht programmieren können. Die gängigen KI-Dienste bieten inzwischen alle eine Oberfläche dafür. 

Das Grundprinzip ist überall ähnlich: Ihr gebt klare Anweisungen, hinterlegt relevantes Wissen in Form von Dokumenten und aktiviert bei Bedarf zusätzliche Werkzeuge. 

Wichtig zur Einordnung: Ein Custom GPT, ein Gem oder ein Claude Project ist zunächst ein individuell konfigurierter KI-Assistent mit eigenem Wissen und eigenen Anweisungen. Zum echten Agenten im eingangs beschriebenen Sinne wird er erst, wenn ihr ihn zusätzlich mit Werkzeugen oder Aktionen ausstattet, die es ihm erlauben, mehrstufige Aufgaben eigenständig auszuführen. 

Illustration of building an AI agent with sections on instructions, knowledge, tools, actions; includes starter tips and a central AI icon. Text in German.

Der beste Weg, ein Gefühl für KI-Agenten zu bekommen, ist es, selbst einen zu bauen.

KI-Agenten mit ChatGPT bauen

Über "GPTs entdecken" und dann "Erstellen" öffnet ihr den GPT-Builder und legt in wenigen Minuten eine spezialisierte ChatGPT-Version an, einen sogenannten Custom GPT

Im Konfigurationsbereich definiert ihr zunächst eure Anweisungen, je detaillierter und mit je mehr Beispielen, desto zuverlässiger das Ergebnis. 

Unter "Wissen" ladet ihr bis zu 20 Dokumente mit je maximal 512 MB hoch, die euer Agent als Wissensbasis nutzt, etwa bisherige Blogartikel, euren Styleguide oder Produktinformationen. Zusätzlich aktiviert ihr bei Bedarf Funktionen wie Websuche, Bildgenerierung oder Datenanalyse

Für fortgeschrittene Anwendungsfälle lassen sich außerdem eigene Aktionen einrichten, über die der GPT auf externe Schnittstellen wie euer CRM oder ERP zugreift. Das erfordert aber technisches Grundverständnis. 

Verfügbar ist die Erstellung eigener GPTs ab einem Plus-Abo, in der kostenlosen Version geht es nicht. 

Gut geeignet ist ein Custom GPT zum Beispiel für einen internen Redaktionsassistenten, der eure Textvorgaben und Beispielartikel kennt, oder für ein Tool, das aus Rohdaten immer nach demselben Muster einen ersten Kampagnentext erstellt. 

KI-Agenten mit Gemini bauen 

In Gemini heißen eure eigenen Agenten Gems. Über die Seitenleiste gelangt ihr zu "Gems entdecken" und dann zu "Neues Gem". Dort vergebt ihr einen Namen und schreibt eure Anweisungen. Ein kleines Zauberstab-Symbol lässt Gemini vage Beschreibungen bei Bedarf automatisch in präzisere Anweisungen umformulieren. 

Als Wissen lassen sich bis zu zehn Dateien hinterlegen, alternativ verknüpft ihr direkt Dokumente aus Google Drive, die dann automatisch in der jeweils aktuellsten Version einfließen. Dafür müsst ihr einmalig Google Workspace mit den Gemini-Apps verbinden. 

Ein Grundgerüst lässt sich bereits in der kostenlosen Version nutzen, für Dateianbindung und größeren Funktionsumfang lohnt sich Gemini Advanced. 

Testet euer Gem vor dem produktiven Einsatz gründlich, auch mit schwierigen und unerwarteten Eingaben, und wählt am Ende die passende Sichtbarkeit: privat oder für euer Workspace-Team geteilt. 

Besonders praktisch ist dieser Weg, wenn ihr ohnehin mit Google Workspace arbeitet und euer Agent direkt mit euren Docs, Sheets oder Slides arbeiten soll. 

KI-Agenten mit Claude bauen 

Bei Claude läuft der Einstieg über zwei zusammenspielende Bausteine: Projects und Skills

Über den Bereich "Projects" legt ihr ein eigenes Projekt an, vergebt einen aussagekräftigen Namen und hinterlegt unter "Custom Instructions" eure Anweisungen sowie unter "Knowledge" die passenden Dokumente, z.B. bis zu 10 bis 15 gut kuratierte Dateien für zuverlässige Ergebnisse. Diese Wissensbasis und die Anweisungen stehen dann automatisch in jedem Chat innerhalb des Projekts zur Verfügung, ohne dass ihr den Kontext jedes Mal neu mitgeben müsst. 

Für wiederkehrende Abläufe, die ihr über mehrere Projekte hinweg nutzen wollt, gibt es zusätzlich Skills: wiederverwendbare Anweisungspakete, die Claude automatisch lädt, sobald sie zur jeweiligen Aufgabe passen, zum Beispiel ein Skill für euer Anzeigenformat, ein Reporting-Layout oder eine bestimmte Textstruktur. 

Eine gute Faustregel dafür, wann sich ein Skill lohnt: Sobald ihr dieselbe Anweisung zum zweiten oder dritten Mal in einen Chat kopiert, gehört sie in einen Skill statt in einen einzelnen Prompt. 

Projects und Skills sind ab dem Pro-Plan verfügbar, in Team- und Enterprise-Plänen lassen sich Projects zudem im ganzen Team teilen. Besonders stark ist dieser Ansatz, wenn euer Agent mit langen Dokumenten, umfangreichen Styleguides oder komplexen, mehrstufigen Textaufgaben arbeiten soll. 

KI-Agenten mit Microsoft Copilot Studio bauen 

Microsoft Copilot Studio richtet sich an Teams, die bereits mit Microsoft 365 arbeiten und einen Agenten unternehmensweit ausrollen wollen. Nach der Anmeldung unter copilotstudio.microsoft.com beschreibt ihr in natürlicher Sprache, was der Agent tun soll. Die Plattform fragt dabei gezielt nach Zielgruppe, gewünschter Tonalität und Wissensquelle

Als Wissensquelle lassen sich unter anderem SharePoint-Dokumente und öffentliche Websites anbinden, weitere Datenquellen und Aktionen kommen über den visuellen Flow-Builder mit Topics, Triggern und Actions dazu. 

Der Agent lässt sich anschließend direkt in Teams, SharePoint oder weitere Microsoft-Dienste veröffentlichen. 

Bevor ihr produktiv startet, lohnt sich ein Blick auf die Berechtigungen eurer angebundenen Dokumente, da ein Agent sonst auch versehentlich freigegebene Inhalte durchsuchbar macht. 

Copilot Studio ist deutlich stärker auf Unternehmenseinsatz und Governance ausgelegt als die Einzelplatzlösungen der großen KI-Anbieter und bietet sich vor allem für Teams an, die zentral gesteuerte Agenten mit klaren Zugriffsrechten benötigen. 

KI-Agenten mit Langdock bauen 

Langdock positioniert sich als europäische Plattform mit Fokus auf DSGVO-konforme Nutzung und EU-Datenverarbeitung und macht mehrere Sprachmodelle, darunter GPT, Claude und Gemini, über eine einheitliche Oberfläche zugänglich. Eigene Agenten bestehen hier aus einem maßgeschneiderten Prompt, hochgeladenen Wissensdateien und optionalen Aktionen, die sich per Klick ohne Code zusammenstellen lassen. 

Über vorkonfigurierte Integrationen bindet ihr zusätzlich Quellen wie Google Drive, Microsoft 365, Notion oder Slack an, sodass der Agent mit aktuellen Unternehmensdaten arbeitet, statt nur mit hochgeladenen Dateien. 

Für Teams mit mehreren Abteilungen lassen sich einzelne Agenten mit eigenen Zugriffsrechten ausstatten, sodass etwa das Marketingteam keinen Zugriff auf HR-spezifische Agenten hat. Das macht Langdock vor allem für Unternehmen interessant, denen bei ChatGPT, Gemini oder Claude Datenschutzbedenken im Weg stehen. Prüft dazu am besten die aktuelle Dokumentation des Anbieters. Der Einstieg läuft in der Regel über eine kostenlose Testphase

KI-Agenten mit n8n bauen 

n8n unterscheidet sich von den bisherigen Optionen dadurch, dass es kein einzelner KI-Dienst, sondern eine offene Automatisierungsplattform ist, die sich selbst hosten lässt. 

Euer Agent entsteht hier als Workflow: Ihr fügt einen "AI Agent"-Baustein ein, verbindet ihn mit einem Sprachmodell eurer Wahl, z.B. GPT, Claude oder Gemini über einen API-Schlüssel, und verknüpft ihn anschließend per Drag-and-Drop mit weiteren Werkzeugen, Datenquellen oder externen Schnittstellen wie eurem CRM, eurer Webseite oder Google Sheets. Das Modell entscheidet dabei selbst, welches Werkzeug es zu welchem Zeitpunkt einsetzt. 

Der Vorteil gegenüber einfacheren Custom-Agenten: Ihr könnt komplett individuelle, mehrstufige Prozesse abbilden, etwa einen Agenten, der neue Leads recherchiert, automatisch in eurem CRM anlegt und eine erste Ansprache vorbereitet. 

Der Nachteil: n8n erfordert deutlich mehr Einarbeitung als ein Custom GPT oder Gem und eignet sich eher für Teams, die bereits Erfahrung mit Automatisierungstools haben oder technische Unterstützung einbeziehen können. 

Praxistipps für den Start 

  • Beschränkt euren ersten Agenten auf eine einzige, klar abgegrenzte Aufgabe statt auf "alles Marketing".

  • Füttert ihn mit echten Beispieldokumenten aus eurem Arbeitsalltag, nicht nur mit abstrakten Anweisungen.

  • Prüft die Ergebnisse in der Anfangsphase konsequent gegen, bevor ihr sie live schaltet.

  • Ladet keine sensiblen oder personenbezogenen Daten hoch, ohne vorher die Datenschutz-Einstellungen des jeweiligen Dienstes geprüft zu haben.

Fazit: Klein anfangen, gezielt ausbauen 

KI-Agenten sind der logische nächste Schritt nach ChatGPT, aber kein Selbstläufer. Wer 

  • eng abgegrenzte, messbare Aufgaben auswählt, 

  • die eigene Datenbasis in Ordnung bringt und 

  • die rechtlichen Anforderungen im Blick behält, 

kann schon heute spürbar Zeit sparen. 

Der einfachste Einstieg liegt näher, als viele denken: Mit den Tools, die ihr wahrscheinlich schon nutzt. Fangt klein an, testet, was für euer Team wirklich funktioniert, und baut von dort aus weiter. Entscheidend ist dabei weniger die Wahl der perfekten Plattform als eine klare Aufgabe, an der ihr lernen könnt, was ein Agent in eurem Alltag wirklich leistet. Wer diesen ersten Schritt macht, sammelt genau die Erfahrung, die für den nächsten, größeren Anwendungsfall gebraucht wird. 

FAQ: Häufige Fragen zu KI-Agenten im Marketing 

Was ist der Unterschied zwischen ChatGPT und einem KI-Agenten? 

Der Unterschied zwischen ChatGPT und einem KI-Agenten liegt im Grad der Eigenständigkeit: ChatGPT antwortet auf einzelne Prompts, ein KI-Agent verfolgt dagegen ein Ziel eigenständig über mehrere Schritte hinweg, nutzt dabei Werkzeuge und Datenquellen und passt seinen Weg an, wenn ein Zwischenschritt nicht funktioniert. 

Brauchen kleine und mittlere Unternehmen überhaupt schon KI-Agenten? 

Kleine und mittlere Unternehmen brauchen nicht zwingend flächendeckend KI-Agenten. Sinnvoller ist meist der Einstieg über einen einzelnen, klar abgegrenzten Anwendungsfall wie Content-Recherche oder Reporting statt eines großen, unternehmensweiten Rollouts. 

Was schreibt der EU AI Act für den Einsatz von KI im Marketing vor? 

Der EU AI Act schreibt für den Einsatz von KI im Marketing seit dem 2. August 2026 vor, dass ihr offenlegen müsst, wenn eure Kunden mit einem KI-System interagieren, und KI-generierte Inhalte maschinenlesbar kennzeichnen müsst. Zusätzlich braucht euer Team ein ausreichendes Grundverständnis der eingesetzten Systeme. 

Wie viel kostet der Einstieg in eigene KI-Agenten? 

Der Einstieg in einfache KI-Assistenten kostet in der Regel nicht mehr als ein reguläres Bezahl-Abo: Mit Custom GPTs, Gems oder Claude Projects lässt sich bereits ab etwa 20 bis 30 Euro pro Monat starten. Für echte agentische Workflows mit eigenen Tools, Automatisierung oder Systemanbindungen kommen je nach Aufbau zusätzliche Kosten für API-Nutzung, Integrationen oder Hosting hinzu. 

Was ist Agentic Commerce?  

Agentic Commerce ist der Begriff dafür, dass KI-Systeme wie ChatGPT oder Gemini Kaufentscheidungen zunehmend vorbereiten oder sogar eigenständig abschließen. Der vollautomatische Checkout im Chat steckt zwar noch in einer frühen Phase, die Recherche- und Vergleichsphase findet aber bereits heute verstärkt in der KI statt. 

Wann ist ein KI-Agent sinnvoll? 

Ein KI-Agent ist immer dann sinnvoll, wenn eine Aufgabe klar abgegrenzt, wiederkehrend und ihr Ergebnis gut messbar ist, z.B. bei Content-Recherche, Lead-Scoring oder Reporting. Bei Aufgaben, die viel Urteilsvermögen, Verhandlungsgeschick oder Verantwortung erfordern, bleibt der Mensch weiterhin die bessere Wahl. 

Ersetzt ein KI-Agent mein Marketingteam? 

Ein KI-Agent ersetzt euer Marketingteam nicht: Er übernimmt Routineaufgaben und liefert Entwürfe oder Auswertungen, die strategische Einordnung, Freigabe und Feinabstimmung bleibt aber bei euch im Team. Gerade bei Kundenkontakt empfiehlt sich weiterhin ein menschlicher Freigabeschritt. 

Welche Daten darf ich einem KI-Agenten anvertrauen? 

Welche Daten ihr einem KI-Agenten anvertrauen dürft, hängt vom jeweiligen Anbieter und dessen Datenschutz-Einstellungen ab. Sensible oder personenbezogene Daten solltet ihr erst hochladen, nachdem ihr geprüft habt, wo diese verarbeitet werden und ob ein Auftragsverarbeitungsvertrag vorliegt. 

Quellen

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